|
|
Die Stadt Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel ist eine kreisfreie Stadt im Osten des Landes an der Ostsee (Kieler Förde). Sie ist die größte Stadt und neben Lübeck, Flensburg und Neumünster ein Oberzentrum des Bundeslandes. Ferner ist Kiel eine traditionsreiche Universitätsstadt mit starkem Bezug zum Meer in den Bereichen Marine, Schiffbau, Segeln und Meeresforschung. Die nächstgelegene größere Stadt ist die Freie und Hansestadt Hamburg, etwa 90 km südwestlich.
Die Einwohnerzahl der Stadt Kiel, des historischen Hauptortes von Holstein, überschritt im Zuge des Ausbaus als Reichskriegshafen um das Jahr 1900 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bereits 1913 hatte die Stadt über 200.000 Einwohner.
Kiel ist einer der wichtigsten Naturhäfen an der Ostsee und liegt zu beiden Seiten der Kieler Förde. Durch Kiel verläuft die Wasserscheide von der Nordsee zur Ostsee. So berührt ebenso wie die Schwentine der Fluss Eider, der in die Nordsee mündet, Kieler Stadtgebiet, außerdem endet der Nord-Ostsee-Kanal im Stadtteil Kiel-Holtenau. Die Umgebung Kiels ist von Moränenhügeln geprägt und geht direkt in die Holsteinische Schweiz über.
 Geschichte Kiel wurde zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein aus dem Hause Schauenburg gegründet. Nur bei Kiel stieß das alte deutsche bzw. sächsische Territorium an die Ostsee - nördlich der Levensau lag dänisches, östlich der Schwentine hinter dem Limes Saxoniae mit Wagrien slawisches Gebiet. Damit war Kiel eine der nördlichsten Städte im Heiligen Römischen Reich. -- Der ursprüngliche Stadtname lautete Holstenstadt tom Kyle ("die Holstenstadt an der Förde)". Kyle heißt Keil und meint hier im Speziellen die Förde, eine Meeresbucht, die wie ein Keil weit ins Land hinein schneidet. Im Sprachgebrauch wurde der lange Name zu tom Kyle verkürzt und schließlich zu Kiel (das y im alten Namen ist ein langes i). Früher kursierte übrigens noch eine weitere Erklärung für den Namen der Stadt Kiel: Das Gewässer "Kleiner Kiel", das den Altstadtbereich fast total umschließt, ist ein ehemaliges "Noor". Dieses ehemalige Noor bildete - ähnlich wie in Haithabu an der Schlei - einen sicheren Naturhafen für die seefahrenden Wikinger. Die Ortsnamen Brunswik und Wik weisen auf die Anwesenheit der Nordmänner hin. Das alte nordische Wort "Kijl" [gesprochen = kijel] bedeutet "Quelle", also gutes Trinkwasser, auf das die seefahrenden Wikinger angewiesen waren. Eine "Wik" (sicherer Naturhafen) ohne gutes Trinkwasser, also eine Quelle = Kijl, war für die Wikinger kein guter Hafen! Wer sich alte Karten von Kiel anschaut wird mehrere kleine Bäche finden, die alle in das Noor, den "Kleinen Kiel" münden. Genau dort, wo sich der sichere Naturhafen - die Wik - befand, konnte man damals gutes Trinkwasser aus den Bächen schöpfen. Die Bäche sind heute alle kanalisiert und darum nicht mehr sichtbar. Diese damaligen Trinkwasserquellen = Kijls könnten also durchaus der eigentliche Ursprung des Namens "Kiel" sein. Beweisen lassen sich aber beide Versionen nicht.
 Einwohnerentwicklung 1885 hatte Kiel mehr als 50.000 Einwohner. 1900 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Bis 1910 verdoppelte sich diese Zahl auf 211.000. Im Dezember 1942 erreichte die Bevölkerungszahl der Stadt wegen der Hochrüstung im Zweiten Weltkrieg (Kriegshafen, Werften) mit 306.000 ihren historischen Höchststand. Ende Juni 2005 lebten in Kiel nach amtlicher Fortschreibung 229.715 Menschen mit Hauptwohnsitz.
Wirtschaft und Infrastruktur Kiel ist ein Dienstleistungsstandort. In diesem Sektor sind 78,5% aller Bediensteten in Kiel beschäftigt, 21,4% sind im produzierenden Gewerbe (sekundärer Sektor) beschäftigt und 0,2% in der Landwirtschaft (primärer Sektor).
Wie ein Blick auf die von großen Portalkränen geprägte Kieler Skyline offenbart, ist Kiel ein wichtiger Standort von Werften. Ansonsten befinden sich in Kiel Maschinenfabriken und weitere Industrie, wie EDV-/Büromaschinenfertigung. Eine wirtschaftlich bedeutende Rolle spielt auch der Hafen, insbesondere die Fähr- und Kreuzschifffahrt: Kiel ist der bedeutendste deutsche Kreuzschifffahrtshafen. Die bis zu 60 Meter hohen Schiffe (Color Fantasy), die täglich anlegen, prägen das Stadtbild.
Kiel ist vor allem ein Verkehrsknotenpunkt für den Fährverkehr nach Oslo (Norwegen), Göteborg (Schweden), Klaipëda (Litauen),Tallinn (Estland), Turku (Finnland) und nach Kaliningrad und Sankt Petersburg (beide Russland). Die Passagierzahlen werden nur von Rostock übertroffen. In Kiel befindet sich das eine Ende des Nord-Ostsee-Kanals (englisch: Kiel-Canal). Durch die Kieler Förde sind Ost- und Westteil der Stadt zum größten Teil (keilförmig) getrennt, eine Fördeschifffahrt als Teil des ÖPNVs ermöglicht das Überqueren dieser Meeresbucht.
Von Kiel führen die beiden Bundesautobahnen A 210 und A 215 auf die A 7 Hamburg-Flensburg zum Kreuz Rendsburg bzw. zum Dreieck Bordesholm. Ferner führen die Bundesstraßen B 76, B 202, B 404 und B 502 durch das Stadtgebiet.
Den städtischen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen Busse der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) und die Fähren der SFK, welche die Kieler Förde vom Westufer (Strande) über die Innenstadt bis Laboe befahren. Die Kieler Straßenbahn wurde in den 1980er Jahren aufgegeben - zum Bedauern vieler. Den regionalen Überlandverkehr sichert in Schleswig-Holstein das Netz der Autokraft.
Der Kieler Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof. Er wird - durch verschiedene unvorhersehbare Ereignisse verzögert - nun schon seit 1999 restauriert und renoviert; das neue Dach wurde 2006 endlich fertig gestellt. Von Kiel verkehren regelmäßig ICEs.
In Kiel-Holtenau, nördlich des Kanals, befindet sich ein nationaler Flugplatz, dessen Erweiterung diskutiert, aber mittlerweile verworfen wurde. Derzeit gibt es von/nach Kiel keine regelmäßigen Linienflugverbindungen. Ab dem 3. April 2006 besteht mit RHEINAIR Montag - Freitag wieder eine Flugverbindung nach Egelsbach bei Frankfurt. Ebenfalls am 3. April 2006 nimmt Sylt Air Montag - Donnerstag den Linienbetrieb nach Berlin-Tempelhof auf. Außerdem gab Cirrus Airlines bekannt, ab dem 2. Mai 2006 München wochentags (außer Samstag) zweimal, sonntags einmal täglich anzufliegen. Früher gab es zusätzlich noch Verbindungen nach Köln/Bonn und Berlin-Tegel.
Kiel ist Ausgangs- bzw. Endpunkt einer im Mai 2004 eröffneten neuen touristischen Ferienstraße: Die Deutsche Fährstraße - von Kiel bis Bremervörde - verbindet rund 50 verschiedene Fähren, Brücken, Schleusen, Sperrwerke und maritime Museen; Wahrzeichen sind die Schwebefähren in Rendsburg und an der Oste.
In Kiel gab es bis Ende der 80er Jahre eine Seilbahn, die über den Alten Bootshafen hinweg die beiden Teile des ehemaligen Weipert-Kaufhauses miteinander verband, etwa zwischen dem heutigen LEIK-Einkaufszentrum und dem heute noch bestehenden Parkhaus hinter dem C&A-Kaufhaus.
Seit längerem ist der Bau einer Stadtbahn geplant. Dass die Straßenbahn 1985 eingestellt wurde, wird allgemeinhin als Fehler angesehen. Doch obwohl auch eine Studie ausdrücklich den Bau empfohlen hat, kommt das Projekt bislang nicht voran.
 Stadtbild Kiel ist geprägt durch die Nähe zum Meer. Die erste städtische Siedlung entstand auf der Halbinsel zwischen Förde und Kleinem Kiel (Keil), welcher der Holstenstat tom Kyle den Namen gab. Der nördliche Landzugang wurde durch die Burg gesichert. Die Stadt wurde sehr regelmäßig angelegt, mit einem Marktplatz im Zentrum, von dessen Ecken acht Straßen im rechten Winkel zueinander abgingen. Von diesen gingen einige kleine Nebenstraßen zum alten Mauerring und weiter zum Wasser ab. Hauptstraße der Stadt war die Nord-Süd-Achse Dänische Straße-Holstenstraße, die diagonal über den Marktplatz führte.
Über Jahrhunderte stand Kiel im Schatten anderer Ostseestädte (vor allem Flensburg und Lübeck), zählte aber zu den größeren Städten Holsteins und war lange Zeit Mitglied der Hanse. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann die Stadt, sich über ihre Halbinsel hinaus nach Süden auszudehnen. Es entstand die Vorstadt in Verlängerung der Holstenstraße, welche sich schließlich bis zur St. Jürgen-Kapelle (sie lag neben dem heutigen Hauptbahnhof) ausdehnte, deren Friedhof im 19. Jahrhundert der Hauptfriedhof der Stadt wurde. Auch in der Vorstadt entstanden einige bemerkenswerte Bürgerbauten, doch der größte Teil war ein Handwerker- und Kleinbürger-Quartier.
Als Kiel 1864 vom dänischen Gesamtstaat getrennt und wenig später preußischer Kriegshafen wurde, wandelte das Stadtbild sich grundlegend. Wenige Städte des Deutschen Reichs wuchsen so rasant wie Kiel. Die Stadt dehnte sich nach allen Himmelsrichtungen aus. Villenviertel entstanden vor allem im Norden (Düsternbrook) und teilweise im Westen, während in der Nähe der Innenstadt zahlreiche Mietskasernen Viertel gebaut wurden. Am Ostufer der Förde in Gaarden, Ellerbek und Wellingdorf entstanden die größten Werften Europas und weitere Arbeiterviertel. Auch die Altstadt und Vorstadt wurden zusehend mit überdimensionierten zeittypischen Bauten überformt, unter anderem entstanden neue Universitätsgebäude in der Nähe des Schlosses. Auch die Verbindung zwischen Kleinem Kiel und Förde wurde immer mehr überbaut. Westlich der Vorstadt entstand mit dem zum Kleinen Kiel hin offenen Neuen Markt mit Rathaus und Stadttheater das bedeutendste städtebauliche Ensemble dieser Zeit in Kiel.
Die Enge der Innenstadt rief bereits in den 1920er Jahren die Städteplaner auf den Plan. In der NS-Zeit wurden Pläne zu einer großzügigen Umgestaltung der Innenstadt konkretisiert. Auch der 1940 eingesetzte Stadtbaurat Herbert Jensen setzte sich für einen Stadtumbau ein. Im Juni 1944 wurde das Arbeitserziehungslager Nordmark errichtet in welchem bis Anfang 1945 600 Menschen starben.
Nach den schweren Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs lagen die östlichen Stadtteile und die gründerzeitlichen Vorstädte sehr weitgehend, Alt- und Vorstadt fast vollständig in Trümmern. Beim Wiederaufbau, den der im Amt verbliebene Jensen leitete, sollte die Stadt im Stil der Zeit moderner, offener und großzügiger gestaltet werden. Der schön gelegene Stadtkern sollte ebenso wie die Verbindung der Stadt mit dem Wasser wieder stärker in den Blickpunkt gesetzt werden. Auf die Rekonstruktion historischer Bauten wollte man hingegen vollständig verzichten.
Während der Wiederaufbau Kiels in den ersten Nachkriegsjahrzehnten als vorbildlich gelobt wurde, sieht man das Ergebnis inzwischen deutlich kritischer. Zwar ist die Altstadt-Halbinsel als solche noch zu erkennen. Doch schwere Eingriffe in das historische Straßennetz derselben (Aufhebung der meisten kleineren Nebenstraßen, Überbauung der Hassstraße am Markt, Verkehrsschneise Eggerstedtstraße längs durch die östliche Altstadt, Überbauung des Markplatzes mit Geschäftsbauten) und die Errichtung zahlreicher überdimensionierter Kauf-, Park- und Bürohausbauten sowie generell die wenig einfallsreiche Architektur der 1950er, 1960er und 1970er Jahre, die nach heutigem Geschmack von den meisten als hässlich empfunden wird, lassen wenig urbanes Flair aufkommen. Gewissermaßen hat Kiel heute zwar eine Innen- aber keine Altstadt mehr. Ironischerweise gilt heute ausgerechnet die Dänische Straße mit den recht vielen erhaltenen Gründerzeitbauten als "Gute Stube" der Altstadt. Die Vorstadt wurde sehr großzügig wiederaufgebaut. Die enge Bebauung der gründerzeitlichen Stadtteile wurde beim Wiederaufbau aufgelockert und durchgrünt. Sehenswert ist vor allem das alte Villenviertel Düsternbrook.
Der Text auf dieser Seite basiert, soweit nicht anders angegeben, auf dem Artikel Kiel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der Autoren ist dort abrufbar.
|
 |  |