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Deutschland - Bielefeld



Die Stadt

Bielefeld ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Detmold im Nordosten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (NRW). Mit ihren 327.000 Einwohnern ist die Stadt die größte der Region Ostwestfalen-Lippe und gilt als deren wirtschaftliche und kulturelle Metropole. Seit 1969 ist Bielefeld Universitätsstadt. Nach der Bevölkerungszahl steht Bielefeld unter den deutschen Großstädten an 18., innerhalb NRWs an achter Stelle. Mit seinem dichtbesiedelten Umland in den Kreisen Herford und Gütersloh bildet es einen der Verdichtungsräume Deutschlands.


Geografie

Bielefeld liegt am Fuß des Teutoburger Waldes beiderseits des sogenannten Bielefelder Passes. Der höchste Punkt im Stadtgebiet befindet sich in Lämershagen und liegt 320 m über Normalnull, der niedrigste Punkt befindet sich in Brake (73 m). Das Rathaus liegt auf einer Höhe von 114 m. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 19 Kilometer und in West-Ost-Richtung 21 km. Es gibt keinen größeren Fluss im Stadtgebiet von Bielefeld. Der nordöstliche Teil der Stadt entwässert über Aa in die Weser, während das Wasser aus dem südwestlichen Teil der Ems zufließt.

Der historische Altstadtkern liegt nördlich des Teutoburger Waldes, eingebettet in die Höhenzüge desselben liegt Gadderbaum mit Bethel, direkt südlich schließt sich der Industrie-Stadtbezirk Brackwede an.

Geographisch gesehen grenzen im Norden das Ravensberger Hügelland, im Osten das Lipper Land und im Süden die Senne an das Bielefelder Stadtgebiet.


Natur

Mitten durch das Bielefelder Stadtgebiet zieht sich der Gebirgszug des Teutoburger Waldes. Er ist stark bewaldet und weist in Bielefeld einige Berge, wie die 302 m hohe Hünenburg auf. An seinen Berghängen entspringen zahlreiche Bäche, die sich durch Bielefeld schlängeln und entweder zur Weser oder zur Ems hin entwässern. Über den Teutoburger Wald führen zahlreiche Wanderwege durch das Bielefelder Stadtgebiet, der bekannteste unter ihnen ist der Hermannsweg.

Neben dem Teutoburger Wald in der Mitte der Stadt, haben die nördlichen Stadtteile Bielefelds auch Anteil am Ravensberger Hügelland, einer flach hügeligen Landschaft mit Feldern, Wiesen, Bächen sowie kleinen Flüssen. Im Süden des Stadtgebietes hat Bielefeld Anteile an der Senne, einem Heidegebiet mit sehr sandigen Böden. Im Norden der Stadt liegt der künstlich angelegte Obersee. Dieser stellt die größte Wasserfläche der Stadt dar und wurde zur Regulierung des Johannesbaches angelegt. Bielefeld ist die Großstadt mit den meisten Grünflächen pro Einwohner in Deutschland. Es gibt zahlreiche Parks und Grünflächen innerhalb der Stadt, wie zum Beispiel den Nordpark, den Bürgerpark oder den Botanischen Garten.


Geschichte

Die erste Erwähnung der Stadt Bielefeld stammt aus dem Jahr 1214 und findet sich in einer Vertragsurkunde des Grafen Hermann von Ravensberg und des Klosters Marienfeld. Vorher befand sich an dieser Stelle eine Bauernsiedlung, die bereits 1015 als „Biliuelde“ erwähnt wurde, jedoch kaum Bedeutung hatte. Die neu gegründete Stadt sollte der Landessicherung dienen, da sie an der Südgrenze der Grafschaft Ravensberg lag. Außerdem war beabsichtigt, die Stadt zur Kaufmannsstadt und Hauptstadt der Grafschaft auszubauen. Aufgrund ihrer Lage an der Kreuzung mehrerer alter Handelswege und an einem wichtigen Pass über den Teutoburger Wald entwickelte sie sich schnell zum Wirtschafts- und Finanzzentrum der Grafschaft Ravensberg. Sie zog viele Kaufleute aus dem Umland und dem benachbarten Münster an. Wie in der damaligen Zeit üblich, war auch Bielefeld durch Wassergräben und Mauern vom Umland abgetrennt. Man konnte nur tagsüber durch die Stadttore in die Stadt gelangen. Das Stadtbild wurde durch das damals wichtigste Handelszentrum der Stadt geprägt, den heutigen „Alten Markt“, sowie das Rathaus und die „Altstädter Nicolaikirche“.

Ab 1293 entwickelte sich aufgrund des Baubeginns der Sparrenburg parallel neben der Altstadt die Neustadt. Sie beheimatete die Bauarbeiter der Sparrenburg und wuchs, anders als die Altstadt, ungeplant, hatte eine eigene Kirche (die Neustädter Marienkirche) und einen eigenen Rat. Auch die Neustadt verfügte über eine eigene Stadtmauer.

Nachdem die Ravensberger Grafen ausgestorben waren und es keine Nachkommen gab, fiel die Grafschaft und damit auch die Stadt Bielefeld im Jahr 1346 an die Grafschaft Berg (ab 1423 Jülich-Berg).

Im Jahr 1520 wurden die bis dahin eigenständigen Städte „Neustadt“ und „Altstadt“ zu einer Stadt vereinigt. Die nun geeinte Stadt konnte sich frei entwickeln, da sie weit entfernt vom Machtzentrum der neuen Machthaber (Jülich-Berg) lag.

Ein wichtiger Schritt für die Stadt war der Beitritt zur Hanse Ende des 15. Jahrhunderts. Dadurch begünstigt konnte sich ab dem Ende des 16. Jahrhunderts die Leinenindustrie entwickeln. Von nun an war Bielefeld die „Leinenstadt“, obwohl sich die Produktion mehr im Umland von Bielefeld abspielte und in der Stadt selber mehr Leinenhandel stattfand. Daraus resultierte auch ein gewisser Wohlstand, von dem heute noch die Patrizierhäuser am Alten Markt zeugen.

Im Jahre 1498 wurde am Jostberg ein Franziskanerkloster gegründet, doch schon 1507 zog dies aufgrund von Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung an den heutigen Klosterplatz in die Altstadt. Dieses Kloster wurde 1829 aufgelöst. Am 30. Oktober 1612 ereignete sich ein schweres Erdbeben in der Stadt, das große Schäden anrichtete. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges fiel die Stadt 1648 an Brandenburg bzw. Preußen.

Im Jahr 1717 wurde in Bielefeld die erste Straßenbeleuchtung eingeführt. 1830 geriet die Leinenindustrie in eine schwere Krise, da in Irland mit der Produktion maschinell gewebter Stoffe begonnen wurde. Da konnte der handgesponnene Leinen qualitativ als auch quantitativ nicht mehr mithalten. Verschlimmert wurde die Situation der Einwohner Bielefelds neben der Krise auch durch eine Ernährungskrise im Jahr 1844.

Als jedoch im Jahr 1847 die Anbindung an die Cöln-Mindener Eisenbahn erfolgte, entwickelten sich rasch Fabriken, da nun Rohstoffe und fertige Waren in großen Mengen in die Stadt gelangen bzw. aus der Stadt geschafft werden konnten. Eine der größten Fabriken zur damaligen Zeit entwickelte sich 1854 mit der „Ravensberger Spinnerei“, die sich zur größten Flachsspinnerei Europas entwickelte. Schon im Jahr 1870 war Bielefeld das Zentrum der Textilindustrie in Deutschland. Hier befanden sich etwa 11 % aller Spindeln und Webstühle Deutschlands.

Am 1. Oktober 1878 wird die Stadtgemeinde Bielefeld aus dem Kreis Bielefeld ausgegliedert und ein eigener Stadtkreis, also kreisfreie Stadt. Die Kreisverwaltung des Kreises Bielefeld bleibt in der Stadt.

Neben der Textilindustrie entwickelte sich auch der Maschinenbau, womit zum Ende des 19. Jahrhunderts keine Maschinen mehr importiert werden mussten. Auch heute noch ist Bielefeld der fünftgrößte Maschinenbaustandort Deutschlands.

Gleichfalls die Nahrungsmittelindustrie entwickelte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Oetker-Konzern entstand einer der größten Nahrungsmittelhersteller Europas. Angefangen hat August Oetker in seiner Apotheke in der Niedernstraße mit dem Verkauf und Weiterentwicklung von Backpulver.

Auch verkehrstechnisch entwickelte sich die Stadt weiter. 1900 fuhr die erste Straßenbahn, von Anfang an elektrisch. 1901 wurden die Bielefelder Kreisbahnen nach Schildesche, Werther und Enger eröffnet (Schmalspurbahn. Stillgelegt im Februar 1954).

Dank der florierenden Industrie stieg die Einwohnerzahl stark an. Daran konnte auch der Erste Weltkrieg nichts ändern. Der entscheidende Schritt in Richtung Großstadt aber waren die Eingemeindungen von 1930. In diesem Jahr wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Schildesche, Sieker, Stieghorst sowie Teile von Heepen und Gadderbaum eingemeindet. Die Einwohnerzahl stieg von 89.719 im Jahr 1929 auf 129.963 nach den Eingemeindungen, womit Bielefeld zur Großstadt wurde.

Als im Jahr 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde wie in anderen deutschen Städten auch der regierende Oberbürgermeister durch einen Mann aus der NSDAP ersetzt. In Bielefeld wohnten 900 Juden, und die Stadt verfügte über eine prächtige Synagoge mit einer weithin sichtbaren Kuppel. Diese wurde 1938 in der Reichspogromnacht zerstört. Die meisten der in Bielefeld lebenden Juden kamen in Vernichtungslagern um. Nur wenige überlebten die Lager oder hatten rechtzeitig ins Ausland fliehen können.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Industrie in der Stadt auf die Rüstung um. Da immer mehr Männer aufgrund des Krieges eingezogen wurden, mangelte es recht schnell an Arbeitern. Infolgedessen wurden insgesamt über 10.000 Menschen, überwiegend Russen und Polen, in die Region Bielefeld verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen.

Die ersten Bombenangriffe auf Bielefeld fanden im Juni 1940 statt, richteten jedoch keinen großen Schaden an. Der größte Bombenangriff auf die Stadt ereignete sich am 30. September 1944. Bei diesem Angriff kamen 600 Menschen ums Leben und der Großteil der Altstadt wurde zerstört. Während der Krieg vor diesem Zeitpunkt in Bielefeld recht ruhig verlief, brach nun Chaos aus, da jegliche Infrastruktur zerstört wurde. Insgesamt kamen in Bielefeld 1.300 Menschen durch Bombenangriffe ums Leben. Es wurden 15.600 Wohnungen beschädigt oder zerstört.

Die Stadt wurde 1945 den Amerikanern kampflos übergeben.

Die Zeit nach dem Krieg war durch eine große Aufbruchstimmung geprägt. Viel zerstörte historische Bausubstanz wurde durch moderne Bauten ersetzt, die der Stadt ein völlig neues Gesicht gaben.

Die Einwohnerzahl stieg durch den Zustrom von Ostvertriebenen sprunghaft an. 1955 betrug sie schon 155.000. Bielefeld übernahm Patenschaften für die Städte Gumbinnen/Ostpreußen (heute Gussew, Rußland), Wansen/Schlesien (heute Wiazów, Polen), Münsterberg/Schlesien (heute Ziêbice, Polen).

Die Textilindustrie verlor immer mehr an Bedeutung, und die Stadt entwickelte sich, wie fast alle Großstädte, zu einem Dienstleistungszentrum.

Im Jahr 1969 wurde die Universität Bielefeld, die einzige in der Region Minden-Ravensberg, gegründet. Seitdem bevölkert zunehmend auch studentisches Publikum die alte Leineweberstadt.

Im Jahr 1973 wurden der Kreis Bielefeld und die kreisfreie Stadt Bielefeld aufgelöst und (mit Ausnahme weniger Gebiete) zur „neuen“ kreisfreien Stadt Bielefeld zusammengefasst. Die Einwohnerzahl stieg auf über 300.000 an.

Verkehrstechnisch war das Jahr 1991 besonders wichtig, da es seitdem ein modernes Stadtbahnsystem der Stadtwerke Bielefeld mit unterirdischem Innenstadttunnel in Bielefeld gibt.


Einwohnerentwicklung

Die Bevölkerungszahl der Stadt Bielefeld überschritt 1930 die Grenze von 100.000 und machte sie damit zur Großstadt. 1950 hatte sie über 150.000 Einwohner. Bis 1973 verdoppelte sich diese Zahl durch die Eingemeindung der meisten zum Kreis gehörenden Orte, darunter Brackwede (39.856 Einwohner 1970), Sennestadt (20.187 Einwohner 1970) und Senne I (17.421 Einwohner 1970), auf rund 320.000. Im Jahre 2005 gehört die Stadt Bielefeld mit ihren 329.000 Einwohnern - historischer Höchststand - zu den 18 größten Städten des Landes.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.


Wappen

Das Wappen der Stadt Bielefeld zeigt eine rote Zinnenmauer mit zwei runden Zinnentürmen und breitem offenen Torbogen als Teil der ehemaligen Stadtbefestigung auf gelbem Grund, darin ein fünfmal von Silber und Rot gesparrter Schild. In der Grundform gibt es dieses Wappen seit 1263; damals galt es als Wappen der Altstadt. Als 1520 die Alt- mit der Neustadt vereinigt wurde, wurde das Wappen offizielles Wappen der nun vereinigten Stadt. Bis ins 19. Jahrhundert hat sich daran nichts geändert, doch dann kamen Löwen innerhalb von Wappen immer mehr in Mode, so dass das Wappen von da an von zwei Löwen getragen wurde. Seit 1973 ist das Wappen in Schildform und ohne Löwen das offizielle Wappen der Stadt Bielefeld.


Wirtschaft

Bielefeld war lange Zeit das Zentrum der Leinenindustrie. Doch die Industriezweige haben sich gewandelt. Heute ist Bielefeld vor allem Standort der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Druck- und Bekleidungsindustrie, sowie der Bauwirtschaft und des Maschinenbaus. 34 % der Beschäftigten sind im verarbeitenden Gewerbe tätig, 18 % im Handel und 48 % im Dienstleistungssektor. In Bielefeld arbeiten 11 % der Beschäftigten im Gesundheitssektor, das ist über Landes- und Bundesdurchschnitt.

In Bielefeld unterhält der Westdeutsche Rundfunk (WDR) ein Studio. Hier werden die Regionalprogramme in Radio und TV für Ostwestfalen-Lippe produziert und von hier auch ausgestrahlt. Als Tageszeitungen erscheinen in Bielefeld die „Neue Westfälische“ und das „Westfalen-Blatt“. Das Lokalradio „Radio Bielefeld“ ist in der ganzen Stadt auf 98,3 MHz und 97,6 MHz zu empfangen, mit 50 Watt sendet außerdem das Campusradio Hertz 87.9 in weite Teile der Stadt, das nichtkommerzielle Einrichtungsradio Antenne Bethel ist im Stadtteil Gadderbaum werktäglich von 18–19 Uhr auf 94,3 MHz zu hören. Am 17. November 2005 feierte der lokale Fernsehsender "Kanal 21" seinen Sendestart. Das Bielefelder Bürgerfernsehen kann mit einer Lizenz als sogenannter Offener Kanal mehr als 80.000 Kabelhaushalte erreichen. Seit 1989 gibt es die 14tgl. Stadtillustrierte ULTIMO auf Papier und seit 1996 im Netz, seit 2000 den Webwecker nur im Netz.


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