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Deutschland - Bergisch Gladbach



Die Stadt

Bergisch Gladbach ist eine Stadt im Bergischen Land östlich von Köln in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Sie ist Kreisstadt, größte Stadt des Rheinisch-Bergischen Kreises und bildet ein Mittelzentrum mit derzeit knapp 106.000 Einwohnern. Damit gehört sie zu den kleinsten Großstädten des Landes. Die heutige Stadt entstand zum 1. Januar 1975 im Rahmen der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen, als die (alte) Stadt Bergisch Gladbach mit der Stadt Bensberg und der Ortschaft Schildgen, welche damals zur Gemeinde Odenthal gehörte, zur neuen Stadt Bergisch Gladbach vereinigt wurde (vgl. § 2 Köln-Gesetz). Diese Fusion war die Voraussetzung dafür, dass die Einwohnerzahl der Stadt 1977 die Grenze von 100.000 überschreiten konnte.


Geografische Lage

Bergisch Gladbach liegt etwa 10 km östlich des Rheins am kräftig ansteigenden Westrand der Bergischen Höhen (Bergisches Land) gegen die niederrheinische Bucht. Die westliche Stadtgrenze ist zugleich die östliche Stadtgrenze zu Köln. Der höchste Punkt des Stadtgebiets ist der Dreispringen mit 267,3 m ü.NN, der niedrigste Punkt des Stadtgebiets liegt westlich von Refrath am Klärwerk Beningsfeld und beträgt 51,2 m ü.NN. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 12 und in West-Ost-Richtung 14 km.


Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Bergisch Gladbachs ist anders als bei kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen nicht in Stadtbezirke mit eigener Bezirksvertretung eingeteilt. Man unterscheidet für statistische Zwecke lediglich 6 statistische Bezirke, die fortlaufend nummeriert sind und sich in mehrere Wohnplätze mit eigenem Namen unterteilen. Die Wohnplätze werden gelegentlich auch als Stadtteile bezeichnet. Es handelt sich überwiegend um Bezeichnungen für ehemals kleinere Siedlungen, aus denen sich das heutige Stadtgebiet entwickelte oder um Neubaugebiete, deren Namen sich zur besseren Orientierung im Laufe der Zeit eingeprägt haben. Bensberg mit den zugehörigen Wohnplätzen war bis 1975 eine selbständige Stadt. Schildgen gehörte vor 1975 zur Gemeinde Odenthal.


Geschichte

Bensberg wird 1139 in einer Schenkungsurkunde als "Benesbure" erstmals erwähnt. Bergisch Gladbach wird 1271 erstmals als Gladebag urkundlich erwähnt. Beide Orte entwickeln sich später zum Kern eines jeweils aus einer Vielzahl von Wohnplätzen bestehenden Gebietes. Sie gehören zur Grafschaft bzw. zum Herzogtum Berg und werden von einem Amtmann aus Porz verwaltet. 1806 kommt das ganze Gebiet zunächst unter französische Herrschaft, dann 1808 an das Großherzogtum Berg und 1815 schließlich an Preußen. Hier gehört es zunächst zur Provinz Jülich-Kleve-Berg und ab 1822 zur Rheinprovinz. Innerhalb Preußens gehören die Siedlungen zunächst zum Kreis Mülheim am Rhein. 1848 taucht der Zusatz "Bergisch" bei der Ortsbezeichnung Gladbachs erstmals in einem Poststempel auf, wenngleich er teilweise seit Beginn des 19. Jahrhunderts hin und wieder genannt wurde. 1856 erhält Bergisch Gladbach die Stadtrechte. Die junge Stadt hat etwa 5.000 Einwohner. Ab 1863 trägt die Stadt insbesondere zur Unterscheidung von München-Gladbach (später zunächst in "München Gladbach" und heutzutage in Mönchengladbach umbenannt) offiziell den Namenszusatz "Bergisch".

Nachdem Mülheim am Rhein 1914 in die Stadt Köln eingegliedert wurde, entsteht 1932 aus dem Restkreis Mülheim und dem Kreis Wipperfürth der Rheinisch-Bergische Kreis. Bergisch Gladbach wird Kreissitz. Im 2. Weltkrieg werden Bergisch Gladbach, Bensberg und das Umland weitgehend von Zerstörungen verschont. 1947 erhält Bensberg ebenfalls die Stadtrechte. Sie hat damals ca. 21.000 Einwohner. Im Zuge der Gebietsreform werden beide Städte unter Einbeziehung des Ortsteils Schildgen zum 1. Januar 1975 zur neuen Stadt Bergisch Gladbach vereinigt. Die Stadt bleibt Kreisstadt des etwas vergrößerten Rheinisch-Bergischen Kreises. Wenige Jahre später (1977) überschreitet die Einwohnerzahl Bergisch Gladbachs die 100.000-Einwohnergrenze und wird Großstadt.


Religionen

Das Stadtgebiet der heutigen Großstadt Bergisch Gladbach gehörte schon von Anfang an zum Gebiet des Erzbistums Köln bzw. zu dessen Archidiakonat des Propstes von St. Kunibert, Dekanat Deutz. Die älteste Pfarrkirche der alten Stadt Bergisch Gladbach ist wohl die Pfarre in Paffrath. Von ihr lösten sich später Gladbach und Sand sowie weitere Gemeinden ab. Bensberg wurde ebenfalls im 13. Jahrhundert Sitz einer Pfarrei. Von den alten Pfarreien Paffrath und Gladbach lösten sich im 19. und 20. Jahrhundert weitere eigene Pfarreien ab, so etwa 1912 Hebborn oder Gronau 1926. Bereits seit 1827 gehörten alle katholischen Pfarrgemeinden der Gegend zum Dekanat Mülheim am Rhein. Jedoch wurde Bensberg 1896 Sitz eines eigenen Dekanats. Heute gehören die Pfarrgemeinden der Stadt zum Dekanat Bergisch Gladbach.

Die heutigen katholischen Kirchen der Stadt sind St. Laurentius (Bergisch Gladbach), St. Marien (Gronau), Heilige Drei Könige (Hebborn), St. Konrad (Hand), St. Josef (Heidkamp), St. Clemens (Paffrath), St. Severin (Sand), Herz Jesu (Schildgen), St. Johannes der Täufer (Herrenstrunden), St. Nikolaus (Bensberg), St. Maria Königin (Frankenforst), St. Antonius Abbas (Herkenrath), St. Josef (Moitzfeld), St. Elisabeth (Refrath) und St. Johann Baptist (Refrath).

In Bergisch Gladbach bzw. Bensberg traten 1582 erstmals auch reformierte Papiermacher auf. Sie gehörten ab 1589 zur Bergischen Synode. 1610 bis 1621 gab es für Bergisch Gladbach und Bensberg einen reformierten Pfarrer. Den Gemeindegliedern wurde die Bensberger Kirche überlassen. Doch übergab der Bergische Amtmann 1618 die Kirche wieder den Katholiken, nachdem der Herzog von Berg bereits 1614 wieder zum Katholizismus übergetreten war. In der Folgezeit wurde die Gegend wieder nahezu komplett katholisch, doch wurden die Protestanten weiter geduldet. Bis 1638 bildeten sie in Bensberg noch eine "heimliche Gemeinde" und wurden danach von Mülheim am Rhein aus betreut.

1775 wurde durch den Papierfabrikanten Heinrich Schnabel in Bergisch Gladbach wieder eine eigene reformierte Gemeinde gegründet und 1776 konnte diese eine eigene Kirche bauen, die heutige Gnadenkirche. Die Gemeinde gehörte zur Düsseldorfer Klasse. In jener Zeit entstand auch eine lutherische Gemeinde. Beide vereinigten sich 1817 zur evangelischen Gemeinde Gladbach, nachdem seinerzeit im gesamten Königreich Preußen, zu dem das Gebiet inzwischen gehörte, die Union zwischen reformierten und lutherischen Gemeinden vollzogen wurde. Die Gemeindeglieder Bergisch Gladbachs gehörten dann zur Mülheimer Synode bzw. Mülheimer Klasse und kamen später zum Kirchenkreis Köln innerhalb der rheinischen Provinzialkirche, aus der die heutige Evangelische Kirche im Rheinland hervorging. Auch in Bensberg ließen sich im 19. Jahrhundert wieder Protestanten nieder. Sie hielten im Bensberger Schloss ihre Gottesdienste ab. Die Pfarrer kamen aus Bergisch Gladbach. 1937/ 38 konnte die kleine Gemeinde jedoch eine eigene Kirche bauen. Seit der Aufteilung des Kirchenkreises Köln im Jahre 1964 gehören die Kirchengemeinden der Stadt Bergisch Gladbach zum "Kirchenkreis Köln-rechtsrheinisch" innerhalb des Evangelischen Stadtkirchenverbands Köln der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die heutigen evangelischen Kirchen der Stadt sind Gnadenkirche, Heilig-Geist-Kirche, Kirche zum Frieden Gottes, Kirche Zum Heilsbrunnen und Andreaskirche (alle in Bergisch Gladbach) sowie Evangelische Kirche Bensberg.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es auch eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten). Ferner ist eine Neuapostolische Kirche und eine Freie Christengemeinde (BFP) vorhanden.


Einwohnerentwicklung

1895 hatte Bergisch Gladbach 10.000 Einwohner, bis 1933 verdoppelte sich diese Zahl auf 20.000. Bis 1960 kam es zu einer weiteren Verdoppelung auf 40.000 Einwohner. Am 1. Januar 1975 schlossen sich Bergisch Gladbach (51.771 Einwohner 1974), der größte Teil der Stadt Bensberg (47.209 Einwohner 1974) und der Ortsteil Schildgen der Gemeinde Odenthal zur neuen Stadt Bergisch Gladbach zusammen. 1977 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Bergisch Gladbach die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. 1999 erreichte die Bevölkerungszahl der Stadt mit 106.150 ihren historischen Höchststand. Ende Juni 2005 lebten in Bergisch Gladbach nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 105.688 Menschen mit Hauptwohnsitz.


Politik

Die meisten Siedlungen im heutigen Stadtgebiet Bergisch Gladbachs blieben bis ins 19. Jahrhundert relativ unbedeutend. Das ganze Gebiet wurde vom Amtmann bzw. Oberamtmann in Porz verwaltet. Seit dem 17. Jahrhundert hatte dieser einen Amtsverwalter. Ihm unterstanden zum einen der Oberschultheiß in Bensberg, der für die Verwaltung sowie für Polizeiaufgaben zuständig war und andererseits der Kellner in Bensberg für die Dominalgüter und Steuern. Beide hatten in Bergisch Gladbach ihre Organe, Schatzheber, Vorsteher, Bote und Schöffen. 1808 wurde in Bergisch Gladbach die Munizipalverfassung eingeführt. Danach stand an der Spitze der Gemeinde der Maire, dem Adjutanten als Beigeordnete zur Seite standen. Aus der Mairie wurde 1813 die Bürgermeisterei mit einem Bürgermeister und einem Gemeinderat, der auch nach der Stadterhebung 1856 beibehalten wurde. Jedoch erhöhte sich die Zahl der Stadtverordneten später von 18 auf 24. Auch in Bensberg gab es im 19. Jahrhundert einen Bürgermeister und einen Gemeinderat.

Während der Zeit der Nationalsozialisten wurden die Bürgermeister beider Gemeinden von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone jeweils einen neuen Bürgermeister ein und 1946 führte sie die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen vom Volk gewählten "Rat der Stadt", dessen Mitglieder man als "Stadtverordnete" bezeichnet. Der Rat wählte anfangs aus seiner Mitte den Bürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Des Weiteren wählte der Rat ab 1946 ebenfalls einen hauptamtlichen Stadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. Seit der Vereinigung beider Städte 1975 gab es nur noch einen gemeinsamen Bürgermeister und einen Stadtdirektor. 1999 wurde die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Bürgermeister. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wird seither direkt vom Volk gewählt.


Wappen

Das Wappen der Stadt Bergisch Gladbach ziert in Grün über einem silbernen Wechselzinnenbalken ein wachsender rot gezungter und rot bewehrter goldener Löwe, darunter ein herschauender goldener Hirschkopf. Das Wappen wurde der Stadt am 6. April 1977 durch den Regierungspräsidenten in Köln verliehen. Der Löwe ist das Wappentier der Grafschaft bzw. des Herzogtums Berg, das in der Gegend schon sehr früh Besitzungen hatte. Er war auch im alten Bergisch Gladbacher Wappen zu sehen. Der Hirschkopf ist dem alten Bensberger Wappen entnommen und soll auf den Wald hinweisen, der in Bensberg im Laufe der Geschichte eine wichtige Rolle spielte. Der Wechselzinnenbalken soll die Symbole beider Städte verbinden und auch auf das Bergische Land hinweisen. Er war bereits im alten Bergisch Gladbacher Wappen abgebildet.


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Als überregional bekannte Sehenswürdigkeit und eines der Wahrzeichen der Stadt ist das in der Bevölkerung bis heute umstrittene Rathaus im Stadtteil Bensberg (im Volksmund: Affenfelsen) zu nennen, ein moderner Bau erbaut von Prof. Gottfried Böhm, der den Neubau geschickt in die alte Burganlage integrierte. Vom gleichen Architekten stammt auch die sehenswerte katholische Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Schildgen. An weiteren Kirchen sind zu erwähnen: St. Laurentius in Bergisch Gladbach, katholische Hauptpfarrkirche der Stadt im neuromanischen Stil, die in mehreren Bauphasen entstand und erst Anfang des 20. Jahrhunderts fertiggestellt wurde; im Innern sind vor allem die Heiligenfiguren aus dem Jahre 1411 und der Kirchenschatz sehenswert. Ferner die evangelische Gnadenkirche, die 1776 als reformierte Kirche erbaut wurde. In Bensberg ist die Pfarrkirche St. Nikolaus, die katholische Hauptkirche zu erwähnen, während die evangelische Kirche erst 1937/38 erstellt wurde. Weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt sind Schloss Bensberg, Schloss Lerbach und die Burg Zweiffel in Herrenstrunden (seit 2004 in Privatbesitz und nicht mehr öffentlich zugänglich) sowie das Rathaus in Alt-Bergisch Gladbach (Architekt Ludwig Bopp).

Mittelpunkt des kulturellen Lebens ist das Bürgerhaus Bergischer Löwe mit zahlreichen Theatergastspielen. An Museen sind das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe und das Papiermuseum Alte Dombach zu nennen. Bekannt ist auch die Villa Zanders.

Unweit von Bergisch Gladbach auf dem Gebiet der Gemeinde Odenthal liegt der Altenberger Dom, eine überregional bekannte Sehenswürdigkeit. Die Kirche wird heute simultan, d. h. von katholischen und protestantischen Gemeinden genutzt.


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