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China - Tianjin



Basisdaten

Tianjin ist eine wichtige Hafenstadt in der Volksrepublik China. Das gesamte Verwaltungsgebiet der Stadt hat eine Fläche von 11.943 Quadratkilometern, das entspricht ungefähr der Bodenfläche des Bundeslandes Oberösterreich. Tianjin ist eine der vier Regierungsunmittelbaren Städte in China, das heißt direkt der Zentralregierung in Peking unterstellt und hat damit den selben Status wie eine Provinz.

In der eigentlichen Stadt - dem geografischen Stadtgebiet - leben 3.761.272 Menschen mit Hauptwohnsitz, in der Agglomeration 6.354.345. Das gesamte Verwaltungsgebiet von Tianjin hat 10.409.230 Einwohner (Stand jeweils 1. Januar 2006). Davon sind 9,4 Millionen registrierte Bewohner mit ständigem Wohnsitz und eine Million temporäre Einwohner (liudong renkou) mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung (zanzhuzheng).

Die Stadt ist Industriezentrum, Verkehrsknoten und kultureller Mittelpunkt der Region mit Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Das Verwaltungsgebiet Tianjins stellt kein zusammenhängendes Stadtgebiet dar, sondern wäre - mit seiner dominierenden ländlichen Siedlungsstruktur - eher mit einer kleinen Provinz vergleichbar. Historisch war Tianjin die Hauptstadt der ehemaligen Provinz Zhili.


Geografische Lage

Die Stadt liegt im Norden Chinas, südöstlich von Peking fünf Meter über dem Meeresspiegel, am Zusammenfluss des Hai He mit dem Kaiserkanal. Sie grenzt an die Regierungsunmittelbare Stadt Peking und die Provinz Hebei.

Das administrative Stadtgebiet hat eine Fläche von 11.943 Quadratkilometer, das entspricht in etwa der Bodenfläche des Bundeslandes Oberösterreich. Davon gehören 167,8 Quadratkilometer (1,4 Prozent) zur eigentlichen Stadt - dem geografischen Stadtgebiet - und 11.775,2 Quadratkilometer (98,6 Prozent) zu Vorstädten und Gebieten mit ländlicher Siedlungsstruktur.

Vom Stadtzentrum Tianjins bis Peking sind es 120 Kilometer. Die Bohai-Bucht befindet sich 50 Kilometer östlich von Tianjin. Durch die Stadt fließt der Hai He-Fluß zur Bohai-Bucht. Die geografischen Koordinaten sind 39,1 Grad nördlicher Breite und 117,2 Grad östlicher Länge.

Das gesamte Verwaltungsgebiet der Regierungsunmittelbaren Stadt Tianjin hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 186 Kilometer und eine Ost-West-Ausdehnung von 101 Kilometer. Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Tianjin 3.766.207 Einwohner, Tanggu 535.298 Einwohner, Hangu 208.369 Einwohner, Gangdong 139.225 Einwohner, Yangliuqing 76.387 Einwohner, Xianshuigu 74.028 Einwohner und Yangcun 63.756 Einwohner.


Geologie

Die Nordchinesische Ebene (Große Ebene), in der Tianjin liegt, ist geologisch ein Einbruchsfeld, das später von den Deltabildungen der nordchinesischen Ströme ausgefüllt wurde. Sie besteht aus Schwemmlöß und Sanden, die von den Flüssen aus den westlichen Gebirgsländern herangeführt worden sind. Die Ebene ist also eine Fortsetzung des Lößlandes.

Auch klimatisch - heißfeuchte Sommer und trockenkalte Winter mit Staubstürmen - und pflanzengeographisch - Parklandschaft mit steppenhaften Zügen - ähnelt sie den benachbarten Lößbergländern. Die Nordchinesische Ebene stellt einen riesigen Schwemmkegel dar, den der Huang He, der schlammreichste Fluß der Erde, im Laufe vieler Jahrtausende aufgeschüttet hat und dessen Ausläufer nördlich und südlich der Halbinsel Shandong das Gelbe Meer erreichen. Das Gebiet ist starken tektonischen Spannungen ausgesetzt die immer wieder zu Erdbeben führen. Ursache ist die langsame Verschiebung der indischen Kontinentalplatte nach Norden in die eurasische Kontinentalplatte. Die Geschwindigkeit der Plattentektonik beträgt im Mittel etwa vier Zentimeter pro Jahr.

Am 28. Juli 1976 ereignete sich in Tangshan, 120 Kilometer östlich von Tianjin, das schwerste Erdbeben des 20. Jahrhunderts (siehe Beben von Tangshan 1976). Es hatte eine Stärke von 8,2 auf der Richterskala. Die offizielle Angabe der Regierung der Volksrepublik China über die Zahl der Toten beträgt 242.419, doch manche Schätzungen geben eine Zahl bis zu 800.000 Toten an, davon 25.000 in Tianjin, auch die Stärke wird offiziell nur mit 7,8 angegeben. Das Beben führte in Tianjin und anderen Städten der Region zu schweren Schäden.


Klima

Die Stadt liegt in der gemäßigten Klimazone. Das Klima von Tianjin ist durch trockene, kalte Winter gekennzeichnet, der Sommer ist heiß und feucht. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 12,2 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 522,8 Millimeter im Durchschnitt.

Der wärmste Monat ist der Juli mit 26,4 Grad Celsius im Mittel, der kälteste der Januar mit durchschnittlich -4 Grad Celsius. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juli mit 174,6 Millimeter im Mittel, der wenigste im Dezember mit durchschnittlich 2,2 Millimeter.


Geschichte

Tianjins Geschichte vom Fischerdorf zur modernen Handelsmetropole reicht viele Jahrhunderte zurück und ist stark mit der Geschichte Pekings verknüpft. Vom 11. bis 14. Jahrhundert war Tientsin ein kleiner Seehafen, der für den kaiserlichen Hof als Getreidelager hohe Bedeutung hatte. Später, als ursprünglich unabhängige Reiche im Süden Chinas unterworfen worden, war Tianjin Durchgangshafen für die Tribute und Lieferungen aus jenen Reichen an die Hauptstadt. Während der Yuan-Dynastie wurde schließlich der durch Tianjin führende Kaiserkanal fertiggestellt.

Den Namen Tianjin erhielt die Stadt vom Kaiser Zhudi während der frühen Jahre der Ming-Dynastie (1368-1644). Zu dieser Zeit erhielt es seine Vorrangstellung als Hafen für Peking und stark befestigte Garnisonsstadt. Später, unter der Qing-Dynastie (1644-1911), wurde es ein florierendes Handelszentrum (vor allem für Meersalz).

Im 19. Jahrhundert wurden die seefahrenden Mächte aus dem Westen auf die Stadt aufmerksam. Unter einem banalen Vorwand - chinesische Truppen hatten ein britisches Schiff geentert - erklärten sie den Krieg. Ihre gut bestückten Kanonenboote führten sie zum sicheren Sieg, und so erhielten die Europäer mit dem am 27. Juni 1858 unterzeichneten Vertrag von Tianjin das Recht, auf dem chinesischen Festland neue Konzessionen zu errichten, von denen aus sie Handel treiben und Opium verkaufen konnten.

Als einzige Gegenleistung war der Rückzug der Engländer aus Tianjin und die Räumung der Festung Dagukou, 60 Kilometer südöstlich der Stadt, vorgesehen. China weigerte sich im Anschluss, den Vertrag umzusetzen.

Daraufhin eröffneten die Briten im Juni 1859 mit einem erneuten Angriff auf Dagukou die zweite Phase des 2. Opiumkriegs. Erst nach der „Strafexpedition“ im Jahre 1860, in deren Zuge ein Invasionsheer unter Führung Lord Elgins unter anderem den Alten Sommerpalast in Peking in Schutt und Asche legte, bestätigte Prinz Gong in Vertretung des in die Mandschurei geflohenen Kaisers Xianfeng die Vertragsbedingungen. In der sogenannten Pekinger Konvention vom 18. Oktober 1860 wurden sie sogar noch um weitere Punkte ergänzt, insbesondere die Öffnung des Hafens von Tianjin selbst, weitere Reparationsleistungen sowie Gebietsabtretungen an Großbritannien und Russland.

Die separaten Konzessionsgebiete in Tianjin entlang des Flusses Hai He waren in sich geschlossene europäische Enklaven: Die Franzosen etwa bauten elegante Chateaux und Türme, die Deutschen bayerische Villen aus rotem Backstein. Chinesen war der Zutritt nicht erlaubt, nur Diener mit Passierscheinen wurden eingelassen.

Die Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Ausländern entluden sich in den Ereignissen von Tianjin am 21. Juni 1870, als eine aufgebrachte chinesische Menge ein von Franzosen betriebenes Waisenhaus angriff und in dem Glauben, dass chinesische Waisenkinder dorthin verschleppt wurden, die Nonnen und Priester tötete. Zwanzig Chinesen wurden daraufhin enthauptet und der Präfekt aus der Stadt verbannt.

Obwohl Tianjin faktisch ein Protektorat der europäischen Fremdmächte war, stieg die Stadt zum nach Shanghai zweitgrößten Handels- und Kommunikationszentrum in China auf. Ende des 19. Jahrhunderts war Tianjin eine wichtige internationale Handelsbasis.

Als Zentrum des geheimen Widerstands gegen die Europäer erfuhr die Stadt mit dem Boxeraufstand von 1900 abermals eine Störung ihres vornehmen Friedens. Größere Teile der Altstadt einschließlich der Stadtmauer wurden während des Aufstands zerstört, aber bald im europäischen Stil wieder aufgebaut. Schließlich trugen die Ausländer die Mauern und das alte Chinesenviertel ab, um die Bewohner besser im Blick zu haben. Zwischen 1900 und 1909 ist die Stadt von einer internationalen Kommission verwaltet worden, in der jene Mächte vertreten waren, die Niederlassungen in Tianjin besaßen: Russland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Japan, Italien, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich. 1906 eröffnete die erste Straßenbahn und 1927 erhielt Tianjin den Status einer selbständigen Stadt auf Provinzebene.

Am 30. Juli 1937 eroberten die Japaner in Folge des Zwischenfalls an der Marco-Polo-Brücke (Lugouqiao) zu Beginn des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges die Stadt und begannen mit dem Aufbau des Hochseehafens Tianjin-Xingang. Die Japanische Besetzung dauerte bis 15. August 1945, als US-amerikanische Streitkräfte nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges in die Stadt einmarschierten. Im Dezember 1946 löste die Vergewaltigung chinesischer Frauen in Tianjin durch amerikanische Soldaten Proteste in der Stadt aus, die in einer großen Demonstration am 1. Januar 1947 kulminierten. Die US-amerikanischen Truppen zogen daraufhin im Juni 1947 aus Tianjin ab.

Kommunistische Truppen nahmen Tianjin am 15. Januar 1949 nach einer 29 Stunden dauernden Schlacht während des Bürgerkriegs mit den Kuomintang-Truppen ein. Nach der kommunistischen Übernahme blieb Tianjin zunächst ein selbständiger Stadtbezirk auf Provinzebene in China. 1958 wurde Tianjin Hauptstadt der Provinz Hebei und erhielt 1967 den Status einer Regierungsunmittelbaren Stadt.

Durch das Erdbeben von Tangshan im Jahre 1976 starben nach offiziellen Angaben in Tianjin 23.938 Menschen, die Stadt erlitt schwere Zerstörungen. Die Wirtschaft Tianjins weist seit Umsetzung der 1978 von der chinesischen Regierung beschlossenen Wirtschaftsreformen bis heute ein hohes stabiles Wachstum auf, was zu einem schnell wachsenden Wohlstand großer Teile der Bevölkerung führte.

Die größten Probleme, denen sich die Stadt wegen der verfehlten modernen Stadtplanungspolitik heute gegenübersieht, sind die wachsende Zuwanderung, die Luftverschmutzung, verursacht durch unmoderne Fabrikanlagen und der ausufernde Verkehr, der seinen Teil zur schlechten Luftqualität beiträgt und die Stadt an den Rand eines Verkehrskollapses bringt. Eine Renaissance erleben aber auch viele soziale Probleme, von denen gedacht wurde, die Kommunisten hätten sie nach 1949 für immer beseitigt. Arbeitslosigkeit, Drogenmißbrauch und Prostitution weisen ein starkes Wachstum auf.


Einwohnerentwicklung

Während sich die Einwohnerzahl Tianjins seit den 1950er Jahren verdoppelt hat, blieb sie seit Anfang der 1990er Jahre - auch auf Grund der Einführung der Ein-Kind-Politik - relativ konstant. In der eigentlichen Stadt leben 3.791.472 Menschen mit Hauptwohnsitz. Die Bevölkerungsdichte beträgt 22.595 Einwohner pro Quadratkilometer.

Das gesamte Verwaltungsgebiet der Regierungsunmittelbaren Stadt hat 10.315.894 Einwohner (Stand jeweils 1. Januar 2005). Davon sind 9,33 Millionen registrierte Bewohner mit ständigem Wohnsitz und eine Million temporäre Einwohner (liudong renkou) mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung (zanzhuzheng). Die Bevölkerungsdichte beträgt 864 Einwohner pro Quadratkilometer. Die Urbanisierungsrate für das gesamte Verwaltungsgebiet Tianjins wird mit 72 Prozent angegeben.

Wer sich länger als drei Tage in der Stadt aufhalten möchte, muss sich beim Amt für öffentliche Sicherheit melden und wird dort registriert. Der Antragssteller erhält dann eine zeitweilige Aufenthaltgenehmigung für drei Monate, die nach Ablauf der Frist verlängert werden muss. Beim Amt muss eine Bescheinigung vom Heimatort vorgelegt werden, die bestätigt, das die Person dort gemeldet ist.

Von den 9.848.731 Einwohnern Tianjins, die bei der Volkszählung im Jahre 2000 ermittelt wurden, waren 97,29 Prozent Han-Chinesen, 1,75 Prozent muslimische Hui-Chinesen, 0,57 Prozent Manju, 0,12 Prozent Mongolen und 0,11 Prozent Koreaner. Von den 56 offiziell anerkannten Nationalitäten Chinas sind nur vier nicht unter den Einwohnern Tianjins vertreten.


Bauwerke

In Tianjin sind vor allem die Straßenzüge mit ihren Gebäuden aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert interessant, zumeist europäischen Stils und Seite an Seite mit den Beton- und Glasbauten des wohlhabenden China von heute. Die Altstadt war früher streng nach nationaler Zugehörigkeit aufgeteilt und jeder Teil hat sich ein Stück seines Charakters bewahrt. Nordwestlich des Hauptbahnhofes, auf der Westseite des Hai He, befand sich das alte Chinesenviertel.

In Richtung Osten, am Nordufer des Flusses, lagen die österreichischen, italienischen, russischen und belgischen Konzessionen, deren alte Gebäude zum Großteil zerstört wurden. Unverkennbar sind die Chateaux der französischen Konzession, die heute den Innenstadtbereich südlich des Flusses ausmachen, sowie die Herrenhäuser der Briten östlich davon. Noch weiter östlich, ebenfalls auf der Südseite des Fluses, stehen in einem sonst eher unauffälligen Viertel Beispiele strenger deutscher Architektur.

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ist der Tempel des Großen Mitleids (Da Bei Yuan), dessen ältester Teil 1669 unter Kaiser Kangxi entstand. Die im Jahre 1940 ergänzte Anlage wurde nach dem Erdbeben von 1976 nach alten Plänen wieder aufgebaut. Kleine antike, buddhistische Statuetten aus Holz und Bronze sind in einem Saal im Westen des Komplexes ausgestellt.

Am Nordufer des Flusses steht die „Kathedrale Notre Dame des Victoires“. Sie wurde 1904 erbaut und ist bereits die dritte an dieser Stelle - der erste Bau wurde ein Jahr nach seiner Errichtung bei dem Massaker von 1870 zerstört, der zweite brannte im Jahre 1900 während des Boxeraufstands ab. Die schmucklose Kathedrale mit ihren dunklen Steinen und ihrer strengen Förmlichkeit ihrer Linien steht ganz im Gegensatz zur Katholischen Kirche weiter südlich.

Der direkt am Zusammenfluss des Hai He mit dem Kaiserkanal gelegene Palast der Himmelsgöttin (Tianhou Gong) wurde im Jahre 1326 in der Zeit der Yuan-Dynastie begründet und unter den folgenden Dynastien ausgebaut. Es ist das älteste Gebäude in Tianjin. In den Nebensälen gibt es eine Ausstellung lokaler Handwerkskunst zu sehen. Im Hof der Anlage wird das überregional bedeutende Tempelfest gefeiert.

Größter unversehrt erhaltener Tempel in Tianjin ist der 1436 erbaute Wen Miao. Abseits der Dafeng-Straße liegt eine Moschee. Dieses erlesene Beispiel chinesischer Muslim-Architektur besticht durch die floralen Holzschnitzereien an Dachvorsprüngen und Fenstern.


Wirtschaft

Die Wirtschaft der Stadt basiert unter anderem auf der Herstellung von chemischen Produkten, elektronischen Geräten, Stahl und Textilien. Darüber hinaus sind auch Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Verarbeitung von Erdöl von Bedeutung. Tianjin ist Sitz zahlreicher ausländischer Handelsniederlassungen.

Der Hafen der Stadt ist der wichtigste Flusshafen am Hai He und einer der größten Außenhandelshäfen der Volksrepublik China. Seit 1984 entsteht in der Nähe von Tianjin die Sonderwirtschaftszone TEDA (Tianjin Economic and Technological Development Area), die ausländischen Investoren offen steht.

Das BIP lag im Jahr 2000 bei etwa 18.000 RMB pro Kopf, womit Tianjin unter die wohlhabendsten Regionen der Volksrepublik einzuordnen ist. Die Industrie beschäftigt etwa 41 Prozent der Arbeitskräfte Tianjins und erwirtschaftet die Hälfte des BIP. Die Industrieproduktion lag im Jahr 2000 etwas höher als jene von Guangzhou oder Shenzhen. Etwa zwei Drittel werden von der Schwerindustrie umgesetzt, wobei große Unternehmen dominieren, die Tendenz jedoch fallend ist.

Der Service-Sektor erwirtschaftete im Jahr 2000 etwa 45 Prozent des BIP und beschäftigte etwa 40 Prozent aller Arbeitnehmer, wobei die wichtigsten Branchen Verkehr, Transport, Lagerung und Telekommunikation waren. Der Tourismus spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Etwa 20 Prozent der Bewohner des von Tianjin administrierten Gebietes sind in der Landwirtschaft beschäftigt, auch wenn diese weniger als fünf Prozent zum BIP beiträgt. Auf mehr als fünf Millionen Hektar werden Getreide und Gemüse angebaut, daneben Schweine (1,6 Millionen), Ziegen, Schafe und Rinder gehalten. Von den 250.000 Tonnen Fisch, die in Tianjin gefangen werden, stammt der größte Teil aus Zuchtanlagen.

Die Wirtschaft Tianjins weist ein stabiles hohes Wachstum auf, der Lebensstandard der Bevölkerung wächst schnell, wobei die Konsumausgaben der Haushalte zu konstanten Preisen jährlich steigen. Mittlerweile gibt es in der Stadt kaum noch Marktsegmente, welche man leicht liberalisieren könnte, um damit ein schnelles und vor allem großes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Hinzu kommen einige wirtschaftliche Problemfelder, zu deren Lösung es schmerzhafter Einschnitte bedarf. Dazu gehören Staatsunternehmen, die nicht privatisiert wurden und die teils hohe Verluste machen.

Diesen Staatsunternehmen werden durch die Staatsbanken immer neue Kredite zur Verfügung gestellt, um sie am Leben zu halten. Dadurch haben die dominierenden staatlichen Banken hohe Summen an faulen Krediten angehäuft, wodurch das Bankensystem illiquid geworden ist. Sollten die Bankkunden plötzlich alle ihre Einlagen zurückverlangen, so könnten die Forderungen nicht bedient werden. Eine Reform des staatlichen Sektors wird aber nur sehr zögerlich angegangen, denn es ist zu befürchten, dass eine Schließung von unrentablen Staatsunternehmen zu einer stark steigenden Arbeitslosigkeit in der Stadt führen würde.


Verkehr

Tianjin ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, wo sich Eisenbahnlinien und Autobahnen kreuzen. Insgesamt verfügt das Territorium über fast 9000 Kilometer Straße, davon 300 Kilometer Autobahn, 530 Kilometer Eisenbahn und 440 Kilometer schiffbare Wasserstraßen. Auf der Autobahn beträgt die Fahrzeit von Tianjin nach Peking knapp eine Stunde.

Die Stadt besitzt einen großen internationalen Flughafen. Er liegt 15 Kilometer östlich der Stadt und wird regelmäßig von Shuttle-Bussen angefahren, die vor den Büros von Air China enden, oder nach Peking fahren. Mit dem Taxi kann man vom Flughafen ins Zentrum von Tianjin oder nach Peking fahren.

Der riesige Hauptbahnhof der Stadt ist gut organisiert und günstig gelegen, gleich nördlich des Hai He, das Stadtzentrum liegt einige Kilometer weiter südlich. Die beiden anderen Stadtbahnhöfe sind der Nordbahnhof, an dem man mit Zügen aus dem Nordosten des Landes ankommt, und der Westbahnhof an der Hauptstrecke nach Peking sowie zu südlichen Reisezielen. Züge mit Endstation Tianjin halten oft schon an einem der anderen Bahnhöfe, bevor sie am Hauptbahnhof einfahren.

Der Hafenbetrieb von Tianjin hat sich in die 50 Kilometer entfernt gelegene Stadt Tanggu verlagert. Von dort legen Fähren nach Kobe in Japan und Incheon in Südkorea ab. Inlandsfähren verkehren nach Dalian und Yantai. Vom Hauptbahnhof in Tianjin verkehren regelmäßig Minibusse nach Tanggu, staatliche Busse fahren vom Südbahnhof ab. Vom Hauptbahnhof ist Tanggu auch täglich mit dem Zug erreichbar, der knapp eine Stunde unterwegs ist.

Der erste Streckenabschnitt der U-Bahn wurde am 10. August 1980 eröffnet. Ein Netz von 153,9 Kilometer Länge bis 2010 ist in Bau und Planung. Ein großer Teil des Nahverkehrs wird von dieselbetriebenen Omnibussen bewältigt. Das Busnetz der Stadt ist unübersichtlich und völlig überlastet. Trolleybusse verkehrten zwischen dem 1. Juli 1951 und April 1997 in der Stadt. Straßenbahnen fuhren zwischen dem 16. Februar 1906 und 1972 in Tianjin.


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